Bild von Gerd Altmann auf pixabay
Uwe:
Guten Abend, ich begrüße Sie, ich begrüße Euch, im Namen der Friedensinitiative Schorndorf zu unserer 1. Mahnwache gegen den Krieg und für den Frieden in diesem Jahr. Wir hoffen, dass Sie einen guten Start in ein hoffentlich friedliches neues Jahr hatten und wünschen, dass Sie gesund und zuversichtlich bleiben und weiterhin gemeinsam mit uns gegen den Krieg und für den Frieden aktiv bleiben.
Dieses Jahr wurde vielerorts mit großen Feuerwerken begrüßt. Obwohl es etliche Petitionen gab, in denen ein Böllerverbot gefordert wurde, obwohl bekannt ist, dass die Böllerei eine enorme Mitweltbelastung verursacht, obwohl bei den Ballereien immer wieder Menschen verletzt oder getötet werden, obwohl weitgehend bekannt ist, dass die Knallerei einen enormen Stress für Haus- und Wildtiere bedeutet, können oder wollen die verantwortlichen Politiker bis jetzt kein Böllerverbot beschließen.
Hatten wir bei unserer letzten Mahnwache im vergangenen Jahr der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass das kommende Jahr ein friedlicheres werden würde als die vergangenen Jahre es waren, mussten wir doch gleich zu Beginn des neuen Jahres konstatieren, dass dieser Hoffnung leider nicht entsprochen werden wird. An dem Wochenende 3./4. Januar ließ der US – amerikanische Präsident von seinen Militärs die venezolanische Hauptstadt Caracas angreifen und den Präsidenten Maduro und dessen Frau kidnappen und in die USA entführen. Die USA begründeten diese Aktion damit, dass der venezolanische Präsident Maduro und seine Ehefrau die Köpfe eines Drogenkartells wären, welches Drogen in großen Mengen in die USA schmuggeln würde. Auch die tödlichen Angriffe von US – Militärs auf venezolanische Boote in den Wochen vor der Entführung Maduros wurden mit diesem Argument gerechtfertigt. Beweise allerdings, mit denen diese Behauptungen belegt worden wären, wurden von US – Seite nie vorgelegt, und internationale Drogenfachleute bekunden, dass Venezuelas Rolle bei dem internationalen Drogenhandel weitgehend bedeutungslos ist.
Obwohl diese militärischen Gewaltakte völkerrechtswidrig sind und von vielen Ländern verurteilt wurden, konnte sich die Europäische Union nicht zu einer eindeutigen Stellungnahme entschließen. Seitens unserer Regierung erklärte Kanzler Merz unmittelbar nach dem aggressiven Akt, dass der venezolanische Präsident Maduro sein „Land ins Verderben geführt“ hätte und die politische Lage rechtlich so komplex wäre, dass eine Verurteilung des Angriffs der USA nicht möglich wäre.
Der völkerrechtswidrige Angriff der USA auf Venezuela ist allerdings nur ein Akt in einem Drama, in welches die USA seit vielen Jahren Staaten Süd- und Mittelamerikas verwickeln. Offen militärisch oder verdeckt durch den Geheimdienst CIA, wurde in folgenden Staaten interveniert: Cuba 1961, Chile 1973, Guatemala und El Salvator 1980 -er Jahre, Nicaragua 1981, Panama 1989, Grenada 1983, um nur einige Beispiele zu nennen. Aber auch schon vor dem 2. Weltkrieg nahmen sich die USA das Recht heraus, in Ländern offen oder verdeckt zu intervenieren, wenn sie ihre Kapitalinteressen, oder das ihrer Konzerne, bedroht sahen. Auch deshalb genießen die USA im Iran wenig Sympathie bei der Bevölkerung, weil dort immer noch im öffentlichen Bewusstsein verankert ist, dass mit Hilfe des CIA 1953 der demokratisch gewählte Präsident Mossadegh gestürzt und der Iraner Rezah Pahlevi als Schah inthronisiert wurde. Mossadegh hatte es gewagt, die von US- amerikanischen und britischen Konzernen ausgebeuteten Öllager zu verstaatlichen und unter iranische Verwaltung zu stellen.
Die Grundlage der Interventionen der zurückliegenden Jahre, die von den USA in Latein – und mittelamerikanischen Staaten ausgeübt wurden, war die sogenannte Monroe-Doktrin, welche auf einem Erlass des 1823 regierenden US – Präsidenten James Monroe basiert. Ursprünglich sollte mit dieser Doktrin, welche auch unter den Schlagworten „Amerika den Amerikanern“ bekannt ist, der Einfluss europäischer Staaten wie Spanien, Frankreich, Niederlande auf die Geschicke Nord- und Südamerikas zurückgedrängt werden. Von den USA wurde diese Doktrin aber zunehmend so uminterpretiert, dass die süd – und mittelamerikanischen Staaten den „Hinterhof“ der USA darstellen und mit ihnen verfahren werden kann, wie es den jeweiligen Regierungen der USA passt.
Inzwischen wird auch immer deutlicher, was die USA unter Präsident Trump letztlich dazu bewogen hat, Venezuela anzugreifen. Dieses Land verfügt aktuell über die größten Erdölvorkommen der Welt, und Präsident Trump und seine Gefolgschaft verkünden zunehmend unverhohlener, dass die USA Besitzansprüche auf diesen fossilen Energielieferanten habe. Trump selbst spricht mittlerweile, dass seine Außenpolitik auf einer „Donroedoktrin“ basiert.
In der neuesten Ausgabe der von uns abonnierten Wochenzeitung „Der Freitag“ ist auf der Titelseite Donald Trump abgebildet und die Frage aufgeworfen: “Wer ist als nächstes dran?“. „Make Amerika great again!“ (MAGA), ist nach wie vor die Losung von Trump und den Republikanern. In dieses Konzept passt sehr gut der imperiale Anspruch auf Grönland, Kolumbien, Cuba, – und auch Kanada soll nach Trumps Vision ein Bundesstaat der USA werden. MAGA, nicht nur ideell, sondern ganz praktisch auch was die Gesamtfläche der USA betrifft.
Obwohl bei den Politikern der Europäischen Union sicher nicht unbekannt war und ist, dass die USA mit ihrer Außenpolitik permanent gegen das Völkerrecht verstoßen, wurden und werden die USA nicht öffentlich kritisiert. Von NATO und EU wurde und wird ständig eine Wertegemeinschaft gepriesen, als deren Führungsmacht die USA niemals infrage gestellt wurde.
Neu an der US-amerikanischen imperialen Politik ist, dass die Interventionen und Einflussnahmen nicht mehr, wie in zurückliegender Zeit, oft als „im Sinne der Durchsetzung von Menschenrechten“ notwendige Aktionen gerechtfertigt wurden. Bezüglich Venezuela wird mittlerweile als Ziel der Aggression die für die USA notwendige Übernahme der Ölfelder propagiert. Auch hinsichtlich Grönland lässt Präsident Trump die Weltöffentlichkeit wissen, dass die USA „Grönland für seine Sicherheit braucht“.
Somit ist die Außenpolitik der USA ein Stück weit ehrlicher geworden, da die wahren Ziele und Absichten nicht mehr verbrämt werden. Aber sicherer und friedfertiger wird diese Erde damit keinesfalls, da auch Putin nun unverblümt Besitzansprüche auf die Ukraine oder andere Nachbarländer und der chinesische Staatschef Li Ping Besitzansprüche auf Taiwan erheben kann.
Leider keine guten Aussichten. Unser Einsatz und der vieler Menschen weltweit für eine Welt ohne bewaffnete Konflikte ist weiterhin notwendig.
Doris:
Wir werden jetzt wieder einige Minuten schweigen. Wir denken an die Opfer der Kriege in der Ukraine, im Nahen Osten, und an die Opfer der Kriege in anderen Ländern, die oft vergessen werden. An die Menschen, die im Krieg verletzt wurden an Leib und Seele. An alle, die ihr Leben verloren haben, seien es Soldaten oder Zivilisten. An alle, die ihre Heimat verlassen mussten und auf der Flucht sind. An die geschundene Natur, an die zerstörte Kultur. An alle, die sich gegen den Krieg einsetzen. Mögen die Politiker auf allen Seiten endlich zur Vernunft kommen und eine weitere Eskalation verhindern.
Doris:
Ich lese ein Gedicht von Rose Ausländer, das uns Mona für die Mahnwache zugeschickt hat.
Gemeinsam
Vergesst nicht, Freunde,
wir reisen gemeinsam,
besteigen Berge,
pflücken Himbeeren,
lassen uns tragen
von den vier Winden.
Vergesst nicht,
es ist unsre gemeinsame Welt,
die ungeteilte,
ach – die geteilte,
die uns aufblühen lässt,
die uns vernichtet.
Diese zerrissene ungeteilte Erde,
auf der wir
gemeinsam reisen.
Doris:
Ich möchte noch folgendes ansagen, bevor wir unsere Mahnwache beenden:
- Am morgigen Samstag wird unsere Friedensbanner-Aktion wieder starten. Wer sich daran beteiligen kann, möge sich bitte nachher bei mir melden.
- Am Montag, den 12. Januar trifft sich die Ökumenische Friedensgruppe der Stadtkirchengemeinde Schorndorf um 18.00 Uhr im Martin-Luther-Haus. Hauptthema ist die neue Friedensdenkschrift der EKD, zu der es ein Kurzreferat und eine Diskussion über mögliche Konsequenzen geben wird. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.
- Am Mittwoch den 14. Januar um 19.00 Uhr lädt die Ökumenische Friedensgruppe zu einem Vortrag mit Diskussion im Martin-Luther-Haus ein. Referent ist Stephen Lakkis, der Friedensbeauftragte der Evangelischen Landeskirche in Baden. Das Thema lautet: „Wie wir alle uns glaubwürdig und wirkungsvoll für Frieden einsetzen können.“ Flyer zum Mitnehmen und Weitergeben liegen in der Mitte.
- Am Montag, den 19. Januar um 19.30 Uhr findet im Kulturhaus Schwanen in Waiblingen eine Informationsveranstaltung zum neuen Wehrdienst statt. Es referiert die KDV-Beraterin Susanne Bödecker auf Einladung der Friedensinitiative Waiblingen.
- Unsere nächste Mahnwache findet heute in einer Woche, am Freitag den 16.01. um 18.00 Uhr wieder hier auf dem Marktplatz statt.
