Mahnwache vom 04.04.2025

Posted by

Bild von hosny salah auf Pixabay

Es folgen die Beiträge dieser Mahnwache zum Nachlesen:

Uwe:

Guten Abend. Ich begrüße Sie, ich begrüße euch, im Namen der Friedensinitiative Schorndorf zu unserer heutigen, 130. Mahnwache gegen den Krieg und für den Frieden.

Vor ca. zwei Wochen hat ein türkisches Gericht, auf Anweisung von Präsident Erdogan, den Bürgermeister der türkischen Großstadt Istanbul, Imamoglu abgesetzt und zur Untersuchungshaft verurteilt. Gleichzeitig wurden in anderen Städten der Türkei Bürgermeister, die wie Imamoglu der Oppositionspartei, der republikanischen CHP angehören, ihrer Ämter enthoben. Ihnen allen wird vorgeworfen, korrupt zu sein und mit terroristischen Gruppen zu kooperieren. Für alle vom Staatspräsidenten erhobenen Anschuldigungen gibt es keinerlei Beweise!

In den USA hat der wiedergewählte Präsident Trump während des Wahlkampfes nachweislich zahllose Unwahrheiten verbreitet, z.B., dass in Bundesstaaten, die von Demokraten regiert werden, Migranten Haustiere wie Katzen, Hunde, stehlen und verzehren würden.

Im Nahen Osten lässt der israelische Präsident Netanjahu, mit ausdrücklicher Duldung der USA, seine Militärs Bomben auf Gaza abwerfen und mit Artillerie und Panzergranaten beschießen, einmal um die Hamas endgültig zu vernichten und die noch in Geiselhaft befindlichen Menschen zu befreien.

Bezüglich der drei von mir soeben genannten Beispiele ist sich die Öffentlichkeit im Klaren darüber, dass hier gelogen wird.

Der türkische Präsident strebt eine weitere Präsidentschaft an und sieht dieses Vorhaben bei einer Kandidatur des populären Imamoglu gefährdet. Also entledigt man sich, sofern man die Macht dazu hat, dieses Konkurrenten, koste es was es wolle.

In Israel droht Netanjahu ein Prozess wegen Korruption, wenn er nicht mehr Ministerpräsident ist; also muss der Krieg gegen die Palästinenser weitergeführt werden, denn so lange Krieg ist, sind Wahlen unvorstellbar. Dabei kann man unterstellen, dass Netanjahu das Schicksal der Geiseln nicht sehr am Herzen liegt; und das der vielen tausend Palästinenser, die bei den Angriffen getötet werden, sowieso nicht. Das Skandalöse dabei ist, dass der israelische Ministerpräsident für sein politisches Überleben tausende unschuldige Menschen ermorden lässt!

Dass der US – amerikanische Präsident ein notorischer Lügner ist, ist allgemein bekannt. Kurios dabei ist, dass er trotz dieser Lügen aus der US – Wahl als eindeutiger Sieger hervorgegangen ist. Oder hat er gerade wegen dieser Verbreitung von Unwahrheiten die Wahl gewonnen?

Die Wochenzeitung „Der Freitag“ hatte in ihrer Ausgabe vor zwei Wochen das Schwerpunktthema „Die Macht der Lüge“. In einem Artikel dieser Ausgabe versucht der Autor und Journalist Robert Misik herauszufinden, warum Wähler, die eigentlich wahrhaftige Politiker oder Politikerinnen wünschen, dann doch solche wählen, die der dreisten Lüge frönen. Ich werde nun einige Sätze diese Artikels zitieren:

„Der Alltagsverstand könnte sich heute wohl schnell darauf einigen, dass in der Politik zu viel Lüge und zu wenig Wahrheit zu Hause ist. Die bequeme Antwort schlichter Gemüter, dass „die Politiker sowieso alle lügen“ hat nicht zum Siegeszug der Wahrheit geführt, sondern zur Allgegenwart der noch dreisteren Lüge. Die berühmte Politikverdrossenheit zog einen Aufstieg populistischer und rechtsradikaler Show-Figuren nach sich – und die Allgegenwart der Lüge. Wenn Politiker früher Unwahrheiten sagten, waren sie in der Regel darauf bedacht, dass das nicht aufflog. Heutzutage sind wir dagegen andauernd mit Lügen konfrontiert, deren Lügencharakter für das Publikum offensichtlich ist, was aber die Attraktivität der Lüge keineswegs schmälert…

Der Politiker-Typus, der sich auf die Verbreitung haarsträubenden Unsinns und provokativem Irrwitz spezialisiert hat, wird nicht nur trotz seiner Lügen gewählt, sondern vielmehr wegen derselben. Er bricht die Regeln, hält sich nicht einmal an die minimalen Normen des Anstands, durchkreuzt die Konventionen heutiger Vernünftigkeit. Die Lüge wird zu einem rebellischen Akt gegen „den Mainstream“. Schließlich traut sich dieser Politiker-Typus etwas, was andere nicht wagen würden.“

Die von mir eingangs angeführten drei Beispiele sind als offensichtliche Lügen leicht zu entlarven. Weniger leicht als Unwahrheit erkennbar, aber nicht weniger heikel, sind die Scheinwahrheiten, mit denen wir uns täglich auseinandersetzen müssen.

Der Grünen Politiker Robert Habeck erklärte kürzlich in einem Interview, dass die Bundeswehr während der letzten Jahre „nieder gewirtschaftet“ worden wäre. Deshalb müsste der Wehretat auf mindestens 3,5 % vom BIP erhöht werden, damit Deutschland verteidigungsfähig werde.

In der oben zitierten Ausgabe der Wochenzeitung „Der Freitag“, wurde hierzu berichtet:(Zitat) „Die Wahrheit ist: Kein Bereich ist in den letzten Jahren stärker gewachsen als der Verteidigungshaushalt. 2024 lag Deutschland bei den Rüstungsausgaben weltweit auf Platz sieben. Mit umgerechnet 56 Milliarden US Dollar gibt Deutschland für seine Truppen deutlich mehr aus als jedes andere EU-Land (außer Großbritannien). Wo wurde da was kaputtgespart?“ (Zitat Ende)

In ihrem Redebeitrag bei unserer letztwöchigen Mahnwache hatte Doris bezüglich der geplanten Rüstungsausgaben kritisiert, dass die zukünftige Regierung die Ausgaben für Militär von der Schuldenbremse ausnehmen und ohne eine Obergrenze plant.

In der Ausgabe der Schorndorfer Nachrichten wurde mein Leserbrief abgedruckt, den ich zu dem Thema Aufrüstung verfasst hatte. Darin hatte ich angeführt, dass die geplanten horrenden Summen für Kriegsgerät und Militär damit begründet werden, dass Deutschland, oder ein Mitgliedsland der Nato, damit rechnen müsse, in den nächsten Jahren von russischen Truppen angegriffen zu werden. In meinem Leserbrief hatte ich u.a. angeführt, dass die NATO – Staaten in allen Waffengattungen denen Russlands weit überlegen wären und darum die Militarisierung der Gesellschaft von anderen Triebkräften vorangetrieben wird. Ich hatte in diesem Leserbrief erwähnt, dass die Aktien der Rüstungskonzerne gegenwärtig durch die Decke gehen, und zumindest diese Kreise das Schüren von Hysterie und Ängsten fördern.

Heute berichteten viele Nachrichtenmedien, dass der Außenminister der USA, Rubio, betont hätte, dass seine Regierung unter Donald Trump nicht beabsichtigen würde, die Nato zu verlassen. Allerdings müssten die NATO – Staaten ihre Rüstungsausgaben deutlich steigern. Ich glaube, dass auch u.a. dies der berühmte Elefant ist, der im Raum steht, wenn von deutschen Politikern Mehrausgaben für Militär verlangt wird. Ob wir uns tatsächlich bedroht fühlen müssen oder nicht; der Große Bruder USA darf, nach Ansicht vieler Politikerinnen und Politiker, nicht brüskiert werden!

In dem Broadway – Theater in New York wird gegenwärtig ein Theaterstück von und mit dem Schauspieler George Clooney aufgeführt, welches von einem Journalisten handelt, der während der politischen Verfolgungen unter dem Kommunisten-Hasser McCarthy diesem die Stirn bietet. In diesem Theaterstück sagt dieser Journalist etwas, von dem ich denke, dass es die gegenwärtige politische Situation  treffend beschreibt: „Fakten sind heute Verhandlungssache.“

Doris:

Wir werden jetzt wieder 5 Minuten schweigen. Wir denken an die Opfer der Kriege in der Ukraine, im Nahen Osten, und an die Opfer der Kriege in anderen Ländern, die oft vergessen werden. An die Menschen, die im Krieg verletzt wurden an Leib und Seele. An alle, die ihr Leben verloren haben, seien es Soldaten oder Zivilisten. An alle, die ihre Heimat verlassen mussten und auf der Flucht sind. An die geschundene Natur, an die zerstörte Kultur. An alle, die sich gegen den Krieg einsetzen. Mögen die Politiker auf allen Seiten endlich zur Vernunft kommen und eine weitere Eskalation verhindern.

Doris:

Ich lese ein Gedicht von Rudolf Otto Wiemer

Friedenskonferenz
Ich empfehle der Friedenskonferenz
den Tisch meiner Großmutter,
die, am Tisch sitzend,
das Gezänk mit dem Großvater
jäh unterbrach,
indem sie die Hand ausstreckte
und wartete,
bis die andere Hand,
die große des Mannes,
sich, wenn auch zögernd,
näher heranschob.
Diesen Tisch aus schlechtem fichtenem Holz
und alt wie das faltige Lächeln der Großmutter,
ihn empfehle ich.

Doris:

Ich möchte noch folgendes ansagen, bevor wir unsere Mahnwache beenden:

  • Die Ökumenische Friedensgruppe der Stadtkirchengemeinde Schorndorf trifft sich wieder am Montag, den 07.04. um 18.00 Uhr im Martin-Luther-Haus.
  • Am Mittwoch, den 09.04.25 um 19.00 Uhr lädt die Gruppe zu einem Vortragsabend mit Gespräch ins Martin-Luther-Haus ein. Das Thema lautet: «Für ein friedensfähiges Deutschland ohne Atomwaffen». Es spricht Simon Bödecker, Referent für atomare Abrüstung bei der Friedensorganisation Ohne Rüstung Leben. Bitte nehmen Sie dazu die Flyer mit, die in der Mitte ausliegen.
  • Ebenfalls am kommenden Mittwoch spricht um 20 Uhr in der Begegnungsstätte Stetten Thomas Waimer zum Thema: „Ukraine – Sterben und sterben lassen“.
  • Der Ostermarsch in Stuttgart findet am Samstag, den 19. April statt. Bitte nehmen Sie Flyer und Plakate für die Werbung mit. Sie liegen ebenfalls in der Mitte aus.
  • Es gibt auch noch Postkarten zum Absenden an Friedrich Merz sowie die neue Ausgabe der „Zeitung gegen den Krieg“ zum Mitnehmen, gerne auch zum weiter Verteilen.
  • Wer morgen bei der Friedensbanner-Aktion mithelfen kann, möge sich nachher bitte bei mir melden.
  • Unsere nächste Mahnwache findet am kommenden Freitag, den 11. April um 18.00 Uhr wieder hier auf dem Marktplatz statt.

Leave a Reply

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.