Mahnwache zum Hiroshima/Nagasaki-Gedenken am 07.08.2026

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Bild: Friedensdenkmal in Hiroshima von hitesh0141 auf pixabay

Doris:
Guten Abend. Mein Name ist Doris Kommerell von der Friedensinitiative Schorndorf. Ich begrüße Sie und euch zu unserer heutigen Mahnwache aus Anlass der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. Vielen Dank allen, die gekommen sind.

Am 6. und 9. August 1945 wurden über Hiroshima und Nagasaki von amerikanischen Piloten zwei Atombomben abgeworfen. Etwa 92.000 Menschen starben sofort, weitere 130.000 Menschen erlagen bis zum Jahresende den qualvollen Folgen der radioaktiven Strahlung. Die verbliebenen Überlebenden, die Hibakusha, leiden bis jetzt unter den physischen und seelischen Wunden dieser Katastrophe. Heute, 81 Jahre danach, geben die 9 Atomwaffenstaaten insgesamt 3768 Dollar pro Sekunde für das atomare Wettrüsten aus, davon die Vereinigten Staaten mehr als alle anderen Atomwaffenstaaten zusammen. Für die grausamsten aller Waffen. Das ist nicht auszuhalten – und nicht hinnehmbar.

Hier in Schorndorf halten wir seit 2019 jedes Jahr eine solche Mahnwache ab. Wir wollen das Gedenken an die Opfer wachhalten. Das sind wir ihnen schuldig. Wir wollen uns aber auch der Gegenwart stellen, und wir wollen Wege beschreiben, die in eine atomwaffenfreie Zukunft weisen.

Insgesamt wird die Veranstaltung etwa eine knappe Stunde dauern. Dazwischen, und auch jetzt am Anfang, wird uns Sascha Santorineos einige Friedenslieder singen.

Die beiden Bänke haben wir aufgestellt, damit einige Menschen sich setzen können. Bitte machen Sie davon Gebrauch, damit wir die Bänke nicht umsonst hergetragen haben.

Sascha: eigenes Friedenslied

Doris:
Vielen Dank. Nun wird uns Heidrun Fetzer-Koch das Geschehene aus der Perspektive eines Zeitzeugen berichten.

Heidrun:
Voice of Hibakusha:  Der Bericht des Augenzeugen Yoshito Matsushige (aus dem Englischen)

In der Nacht vom 5. auf den 6. August 1945 starten auf der Marianen-Insel im Pazifischen Ozean drei Langstreckenbomber des Typs B-29. Eine der Maschinen, die von dem Luftwaffen-Oberst Paul Tibbets gesteuerte «Enola Gay», trägt eine über vier Tonnen schwere Bombe, «Little Boy» genannt, über 2740 Kilometer nach Japan. Kurz nach 8 Uhr Ortszeit nähert sie sich ihrem Zielpunkt und explodiert wenig später in knapp 600 Metern Höhe über Hiroshima. Die erste in der Geschichte der Menschheit militärisch eingesetzte Atombombe.

Yoshito Matsushige war zu dieser Zeit ein 32-jähriger Kameramann bei der Zeitung „Chugoku“. Als die Atombombe abgeworfen wurde, befand er sich in seiner Wohnung in Midori-cho, 2,7 Kilometer vom Explosionszentrum entfernt. Unmittelbar nach dem Abwurf ging er durch die Stadt und machte fünf Fotos, die zu wichtigen historischen Dokumenten geworden sind.

MATSUSHIGE: Ich hatte gerade gefrühstückt und machte mich bereit, zur Zeitung zu gehen, als es passierte. Es gab einen Blitz aus den Innenleitungen, als hätte dort ein Blitz eingeschlagen. Ich hörte keinen Ton, wie soll ich sagen, die Welt um mich herum wurde strahlend weiß. Und ich war für einen Moment geblendet, als hätte sich vor meinen Augen ein Magnesiumlicht entzündet. Unmittelbar danach kam die Druckwelle.

Ich war von der Taille aufwärts nackt, und die Druckwelle war so heftig, dass es sich anfühlte, als würden mich Hunderte von Nadeln auf einmal stechen. Die Druckwelle riss große Löcher in die Wände des ersten und zweiten Stockwerks. Wegen des vielen Schmutzes konnte ich den Raum kaum sehen. Ich zog meine Kamera und die vom Militärhauptquartier ausgegebenen Kleider unter dem Trümmerhaufen hervor und zog mich an. Ich überlegte, ob ich entweder zur Zeitung oder zum Hauptquartier gehen sollte. Das war etwa 40 Minuten nach der Explosion.

In der Nähe der Miyuki-Brücke (ca. 2,2 km vom Explosionszentrum entfernt) befand sich eine Polizeiwache. Die meisten der Opfer, die sich dort versammelt hatten, waren Schülerinnen der Hiroshima Girls Business School und der Hiroshima Junior High School Nr. 1.

Sie waren zur Evakuierung von Gebäuden mobilisiert worden und befanden sich im Freien, als die Bombe fiel. Da sie den Hitzestrahlen direkt ausgesetzt waren, waren sie am Rücken, im Gesicht, an den Schultern und an den Armen mit Blasen von der Größe eines Balls übersät. Die Blasen begannen aufzubrechen, und ihre Haut hing wie Teppiche (Fetzen) herunter. Einige der Kinder hatten auch Verbrennungen an den Fußsohlen. Sie hatten ihre Schuhe verloren und waren barfuß durch das lodernde Feuer gerannt.

Die Menschen stöhnten und weinten. Ich sah auch ein Kleinkind, das sich an die Brust seiner Mutter klammerte, die sich überhaupt nicht bewegte, und eine andere Mutter, die ihr Baby waagerecht hielt, den Namen des Kindes rief und schrie: ‚Mach die Augen auf, mach die Augen auf!‘“

Als ich das sah, wollte ich ein Foto machen und griff nach meiner Kamera. Doch ich konnte den Auslöser nicht drücken, weil der Anblick so erbärmlich war. Obwohl auch ich ein Opfer derselben Bombe war, hatte ich nur leichte Verletzungen durch Glassplitter davongetragen, während diese Menschen im Sterben lagen. Es war ein so grausamer Anblick, dass ich mich nicht dazu durchringen konnte, auf den Auslöser zu drücken. Vielleicht zögerte ich dort etwa 20 Minuten lang, doch schließlich fasste ich den Mut, ein Foto zu machen. Dann ging ich vier oder fünf Meter weiter, um das zweite Foto aufzunehmen.

Noch heute erinnere ich mich genau daran, wie der Sucher von meinen Tränen beschlagen war. Ich hatte das Gefühl, dass mich alle ansahen und wütend dachten: „Er fotografiert uns und wird uns überhaupt keine Hilfe bringen.“ Dennoch musste ich auf den Auslöser drücken, also nahm ich all meinen Mut zusammen und machte schließlich die zweite Aufnahme.

Dann sah ich eine ausgebrannte Straßenbahn, die gerade in Kamiya-cho um die Ecke gebogen war. Im Wagen befanden sich noch Fahrgäste. Ich stellte meinen Fuß auf die Stufe des Wagens und schaute hinein. Im vorderen Teil des Wagens befanden sich vielleicht 15 oder 16 Menschen. Sie lagen tot übereinander. Kamiya-cho lag ganz in der Nähe des Explosionszentrums, etwa 200 Meter entfernt. Die (andere) Fahrgäste hatten ihnen alle Kleider vom Leib gerissen.

Man sagt, wenn man vor Schreck erstarrt, zittert man und die Haare stehen einem zu Berge. Und genau dieses Zittern spürte ich, als ich diese Szene sah. Ich trat einen Schritt zurück, um ein Foto zu machen, und legte meine Hand auf meine Kamera. Aber diese toten und nackten Menschen, deren Foto der Nachwelt erhalten bleiben würde, taten mir so leid, dass ich den Auslöser nicht drücken konnte….

Danach lief ich umher, ich ging durch den Stadtteil, der am stärksten getroffen worden war. Ich lief fast drei Stunden lang. Aber ich konnte kein einziges Foto von diesem zentralen Bereich machen. Es gab noch andere Fotografen in der Armee-Berichterstattergruppe und auch bei der Zeitung. Doch die Tatsache, dass keiner von ihnen in der Lage war, Fotos zu machen, zeigt, wie brutal der Bombenangriff tatsächlich war. Ich bin nicht stolz darauf, aber es ist ein kleiner Trost, dass ich zumindest fünf Fotos machen konnte.

Während des Krieges gab es praktisch jede Nacht Luftangriffe. Und nachdem der Krieg begonnen hatte, kam es zu zahlreichen Lebensmittelengpässen. Wir, die wir all diese Entbehrungen erlebt haben, hoffen, dass unsere Kinder und Enkelkinder niemals wieder solches Leid erfahren müssen. Nicht nur unsere Kinder und Enkelkinder, sondern alle zukünftigen Generationen sollten diese Tragödie nicht durchleben müssen. Deshalb möchte ich, dass junge Menschen unseren Erfahrungsberichten zuhören und den richtigen Weg wählen – den Weg, der zum Frieden führt.

Weitere Informationen und die Fotos finden Sie hier

Doris:
Wir werden jetzt einige Minuten schweigen und das Gehörte auf uns wirken lassen. Wir gedenken der Toten, Verletzten und Traumatisierten der Atombombenabwürfe. Wir gedenken der Leiden der Hibakusha und all derer, in unter den Folgen der Atomwaffentests zu leiden hatten und noch immer haben.

Wir beenden unsere Gedenkminuten. Eva Hartmann wird uns nun ein Gedicht von Marie-Luise Kaschnitz vortragen, und danach wird Sascha wieder ein Friedenslied singen.

Eva:
Hiroshima
Der den Tod auf Hiroshima warf
Ging ins Kloster, läutete die Glocken.
Der den Tod auf Hiroshima warf
Sprang vom Stuhl in die Schlinge, erwürgte sich.
Der den Tod auf Hiroshima warf
Fiel in Wahnsinn, wehrte Gespenster ab
Hunderttausend, die ihn angehen nächtlich
Auferstanden aus Staub für ihn.
Nichts von alledem ist wahr.
Erst vor kurzem sah ich ihn
Im Garten seines Hauses vor der Stadt.
Die Hecken waren noch jung und die Rosenbüsche zierlich.
Das wächst nicht so schnell, dass sich einer verbergen könnte
Im Wald des Vergessens. Gut zu sehen war
Das nackte Vorstadthaus, die junge Frau
Die neben ihm stand im Blumenkleid
Das kleine Mädchen an ihrer Hand.
Der Knabe auf seinem Rücken saß
Und über seinem Kopf die Peitsche schwang.
Sehr gut zu erkennen war er selbst
Vierbeinig auf dem Grasplatz, das Gesicht
Verzerrt von Lachen, weil der Fotograf
Hinter der Hecke stand, das Auge der Welt.
Marie Luise Kaschnitz  (1951)                                                 

Sascha: Lied: Nein, meine Söhne geb´ ich nicht

Doris:
Wir hören jetzt einen Redebeitrag von Detlef Beune und danach wieder ein Lied von Sascha.

Detlef:
Erinnern wir uns zurück: Nach der deutschen Wiedervereinigung im Jahre 1991 wurde der START-Vertrag zwischen Russland und den USA verabschiedet, im Jahr 1994 folgte START II. In der Folge wurden auf beiden Seiten eine große Anzahl von Atomwaffen vernichtet.

Leider wurde diese positive Entwicklung schon ab dem Jahre 2000 Schritt für Schritt wieder verlassen. Heute stehen wir vor einem neuen gigantischen atomaren Wettrüsten.

Hierzu veröffentlichte Infosperber am 31.07.2026 einen Artikel, in dem die aktuellen Ergebnisse einer Studie von ICAN (Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen) zusammengefasst wird. Zitat daraus:

Selbst ein begrenzter Atomkrieg mit hundert «kleineren» A-Bomben würde das Klima unerträglich machen. Hunger und Massensterben wären die Folgen. Ein großer Atomkrieg würde das Ende unserer Zivilisation bedeuten.

Von atomarer Abrüstung ist keine Rede mehr, im Gegenteil: ICAN hat ermittelt, wie sich das atomare Wettrüsten im letzten Jahr dramatisch gesteigert hat, hier die Zahlen für die 5 größten Atommächte:

An der Spitze stehen die USA, die im Jahr 2025 69,2 Billionen $ für Atomwaffen ausgaben, eines Steigerung von 22 % gegenüber 2024.
Es folgt China mit Ausgaben von 13,5 Billionen $, 7% Steigerung gegenüber 2024.
Danach Großbritannien mit 12,6 Billionen $, 17 % Steigerung gegenüber 2024.
Russland gab 9,5 Billionen $ aus, eine Steigerung von 6 % gegenüber 2024.

Auch Frankreich ist dabei (7,7 Billionen $, eine Steigerung von 8 % gegenüber 2024.

Es sind nicht allein diese Zahlen, die erschrecken. Desweiteren arbeiten diese Staaten an neuen atomaren Waffen. Bekannt ist, dass Russland mittlerweile im Besitz von Überschallraketen ist. Auch China und die USA entwickeln solche Waffen oder sind möglicherweise auch schon im Besitz derselben.

Was macht diese Waffen so gefährlich? Laut Äußerungen der KI von Google – soweit man dem Glauben kann:

Technische Merkmale und Gefahr
Hohe Geschwindigkeit: Sie fliegen mit mehr als 6.000 bis über 12.000 km/h, wodurch dem Gegner kaum Zeit zur Reaktion bleibt.
Manövrierbarkeit: Im Gegensatz zu klassischen ballistischen Raketen auf einer festen Flugbahn können Hyperschallwaffen ihren Kurs ändern.
Schwere Abwehr: Wegen des schnellen und unvorhersehbaren Anflugs sind herkömmliche Flugabwehrsysteme oft überfordert.

Kurz: Solche Waffen erhöhen die Gefahr eines Atomkrieges aus Versehen, nach dem Motto. Im Zweifel lieber zuerst schießen, bevor man selbst getroffen wird.

Hinzu kommt, dass es in letzter Zeit zu Veränderungen in den Nukleardoktrinen etwa von Russland und Frankreich kam. Frankreich und weitere europäische Länder, darunter auch Deutschland und Norwegen, wollen an einem gemeinsamen nuklearen Schutzschirm für Europa arbeiten.

Hatte Russland bislang auf dem Standpunkt gestanden, dass es niemals als Erstes Atomwaffen einsetzen würde, hat sich dies mit dem Ukraine-Krieg verändert. Jetzt heißt es, sollte Russland sich in seiner Existenz durch Angriffe anderer Staaten bedroht fühlen, schließe man auch den Ersteinsatz von Atomwaffen in diesem Fall nicht mehr aus.

Bisher galt in Frankreich die Nuklear-Doktrin von Charles de Gaulle: Die eigenen Atomwaffen seien nur zum Schutz von Frankreich da, nicht zum Schutz von anderen Ländern. Natürlich finden wir auch diese Doktrin falsch, weil wir Atomwaffen sowieso ablehnen. Macron setzt sich aber jetzt über diese Doktrin von de Gaulle mit seiner Initiative hinweg, weil plötzlich französische Atomwaffen auch andere Länder mit „beschützen“ sollen, oder sollte man lieber sagen „gefährden“? Zu diesem Thema gibt es bereits ernsthafte Verhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland, Deutschland will im Herbst bereits am gemeinsamen Nukleartraining mit Frankreich teilnehmen.

Damit nicht genug: Da wird in deutschen Medien tatsächlich ernsthaft darüber diskutiert, ob Deutschland sich nicht auch selbst Atomwaffen anschaffen sollte. Vergleiche hierzu den Artikel des „Stern“ vom 09.03.2025 unter dem Titel: Eine deutsche Atombombe?

Glücklicherweise ist die große Mehrheit der Bevölkerung strikt dagegen, dass Deutschland sich eigene Atomwaffen anschafft – was übrigens gegen viele Bestimmungen des Völkerrechts verstoßen würde.

Allerdings: Nach einer am 26.06.2025 von T-Online veröffentlichten Umfrage ist die Mehrheit der jungen Menschen zwischen 18 und 24 Jahren dafür, dass Deutschland sich Atomwaffen anschafft.

Ich weiß natürlich nicht, inwieweit man einer solchen Umfrage Glauben schenken sollte. Es widerspricht auch massiv dem Engagement vieler Jugendlicher gegen die Einführung einer Wehrpflicht in Deutschland.

Allerdings zeigt das alles: Wir als Friedensinitiative sollten in Zukunft wieder verstärkt auf die aktuellen Gefahren des atomaren Wettrüstens aufmerksam machen. Es gibt sicherlich viele Tatsachen, die alle eines zeigen: Atomwaffen in Deutschland machen unser Leben nicht sicherer, sondern sie bringen uns im Gegenteil in große Gefahr. Dabei ist es vollkommen egal, ob diese Atomwaffen aus den USA oder aus Frankreich stammen. Gründe für diese Aussagen gibt es sicherlich mehr als genug. Wir sollten mit verschiedensten Initiative aber dafür sorgen, dass mehr und mehr Menschen sich dieser Gefahr bewusst werden.

Sascha: eigenes Friedenslied

Doris:
Wie können wir umgehen mit all dem Bedrohlichen, das uns Angst macht? Weder Verdrängung noch Resignation sind wirklich eine Lösung. Wir dürfen nicht nachlassen, uns aktiv für eine atomwaffenfreie Welt einzusetzen. Dabei gehen die großen Friedensorganisationen wie z.B. ICAN (Internationale Kampagne für die Abschaffung der Atomwaffen) mit großem Engagement voran. Sie haben u.a. den Atomwaffenverbotsvertrag auf den Weg gebracht, der seit 22.01.2021 rechtsgültig ist. Hier in Schorndorf setzen wir uns seit Jahren dafür ein, dass die Stadt den sogenannten ICAN-Städteappell unterzeichnet, welcher die Bundesregierung auffordert, dem Atomwaffenverbotsvertrag beizutreten. Am 03.01. dieses Jahres hat nun die SPD-Fraktion offiziell den Antrag dazu gestellt. Leider hat es das Thema bisher nicht auf die Tagesordnung des Gemeinderats geschafft. Hoffen wir, dass das demnächst geschieht und es dann auch eine Mehrheit findet.

Es ist ermutigend zu sehen, dass auch 81 Jahre nach den Atombombenabwürfen überall im Land Menschen auf die Straße gehen, um ein Zeichen für Frieden und Abrüstung zu setzen. Beim Netzwerk Friedenskooperative sind Stand heute 122 Veranstaltungen gemeldet.

Ein besonderes Zeichen der Verbundenheit setzt in diesem Jahr erneut Kazumi Matsui, Bürgermeister von Hiroshima und Präsident der internationalen Organisation Mayors for Peace, mit einem offiziellen Grußwort an die Aktiven in Deutschland. Ich zitiere einige Sätze daraus:

„Um die politischen Entscheidungsträger zum Umdenken zu bewegen, dürfen wir niemals aufgeben. Stattdessen müssen wir uns noch stärker dafür einsetzen, einen Konsens in der Zivilgesellschaft für die Abschaffung von Atomwaffen zu erzielen…. Wir müssen die Politik dazu bewegen, von der nuklearen Abschreckung zu einer Sicherheitspolitik überzugehen, die auf Vertrauen und Dialog basiert. Ich möchte Sie bitten, sich unseren Initiativen zur Abschaffung von Atomwaffen anzuschließen und den Weg zu einem dauerhaften Weltfrieden zu ebnen“.

Unter der Überschrift „Wege, die in eine atomwaffenfreie Zukunft weisen“, werden nun Ernst Delle und Martin Jaeger noch kurz zwei Beispiele schildern. Danach wird Sascha ein sehr bekanntes Lied vortragen, bei dem alle zum Mitsingen eingeladen sind.

Ernst:
Hätten Sie gewusst dass
… es einen ehemaligen Atomwaffenstaat gibt, der sein gesamtes Arsenal freiwillig abgerüstet hat?

Ab der Mitte der 1970er-Jahre baute Südafrika im Geheimen ein Atomwaffenprogramm auf. Dieses wurde – trotz internationalem Druck – 16 Jahre lang vorangetrieben und führte zur Herstellung mehrerer Bomben.

Die Regierung unter dem neu ernannten Staatspräsident Frederik Willem de Klerk entschied jedoch im Herbst 1989, das Programm zu beenden. De Klerk begründete dies später mit der veränderten politischen Situation und dem absehbaren Ende der Apartheit. 1991 trat Südafrika dem atomaren Nichtverbreitungsvertrag (NVV) bei und schloss ein Sicherungsabkommen mit der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO), die bestätigte, dass alle Atomwaffen vernichtet waren. 2017 war das Land einer der ersten Unterzeichner des UN-Atomwaffenverbotsvertrages (AVV). Unmittelbaren nuklearen Drohungen oder gewaltsamen Aggressionen ist es dennoch nicht ausgesetzt – damit ist Südafrika ein leuchtendes Vorbild für die anderen Atommächte.

Aus: Informationen 197/ 2026-3 von Ohne Rüstung Leben

Martin:
Es tut sich etwas im erweiterten Umfeld der Evangelischen Kirche. „Wer Frieden will, muss mit dem Feind reden“ ist der Titel der sehr empfehlenswerten Ökumenischen Friedensschrift 2026.

Sie nimmt die früheren kirchlichen Erklärungen zu Atomwaffen wieder auf und nimmt ganz klar Stellung.

Zu Beginn heißt es:
Kirchen werden ihrem Auftrag nur als Friedenskirchen gerecht. Die Friedensbotschaft Jesu stellt die Kirche in Kontrast zu einer von Gewalt und Unrecht geprägten Gesellschaft und in Verbindung zur modernen Friedensforschung. Kirchen sollten in Zeiten massiver Aufrüstung unmissverständlich für militärische Abrüstung und für den Beitritt aller Staaten zum UN-Atomwaffenverbotsvertrag eintreten und eine starke, klare Stimme für den Abbau von Feindbildern sein. Auf diese Weise wirken sie der Militarisierung der Gesellschaft entgegen.

Noch ein weiteres Zitat:
In der Frage der Atomwaffen (sowie chemischer und biologische Waffen) sind Kirche und Staat … zu einem kategorischen „Nein!“ aufgefordert. (S.32)

Und abschließend:
„Wir verkennen nicht, dass den militärbefürwortenden Mitmenschen der Schutz von Freiheit, Demokratie, staatlicher Souveränität ein großes Anliegen ist. Dies jedoch mit dem Einsatz militärischer Gewalt erreichen zu können, erscheint uns nach allen historischen und gegenwärtigen Erfahrungen und angesichts heutiger Waffentechnik nicht möglich. Menschliches Leben darf weder bei uns noch in einem gegnerischen Staat geopfert werden. Diese Einsicht brachte der Ökumenische Rat der Kirchen bei seiner Gründungsversammlung 1948 in Amsterdam zum Ausdruck: „Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein!“

Aus diesem Grund sehen wir sowohl die Kirchen als auch den Staat in der Pflicht, sich unmissverständlich für die Überwindung des Krieges zu engagieren. Das bedeutet die Entwicklung einer Konzeption Ziviler Sicherheitspolitik … – …  dringend sind Rüstungskontrolle, Abrüstung und die weltweite Anerkennung des Verbots von Nuklearwaffen und anderen Massenvernichtungswaffen. Die Drohung mit ihnen ist der Drohung mit einem Genozid gleichzusetzen.(S.54f.)

Lasst uns diesen Aufruf einzeln und als Gruppen verbreiten, bei unseren Bekannten, bei den Kirchen und bei den politischen und sozialen Gruppierungen.

Sascha: Lied: Sag mir wo die Blumen sind

Doris:
Wir sind am Ende unserer Veranstaltung angekommen. Ich möchte noch folgendes ansagen:

  • Am 1. September werden zum Antikriegstag zahlreiche Veranstaltungen stattfinden, so z.B. in Stuttgart, Fellbach und Esslingen. Informationen gibt es im Terminkalender des Netzwerks Friedenskooperative.
  • Am 3. Oktober wird es in Berlin und in Stuttgart 2 große bundesweite Friedensdemonstrationen geben.
  • Die Ökumenische Friedensgruppe der Stadtkirchengemeinde Schorndorf trifft sich am Montag, den 7.09. um 18.00 Uhr im Martin-Luther-Haus. Herzliche Einladung.
  • Unsere nächste Mahnwache gegen den Krieg und für den Frieden findet wieder nach den Sommerferien statt, und zwar am Freitag, den 18.09. um 18.00 Uhr hier auf dem Marktplatz.
  • Heute findet auch in Backnang ein Friedensspaziergang zu Hiroshima und Nagasaki statt. Die Backnanger Friedensgruppe lädt uns zum nächsten Friedensspaziergang ein, am Freitag, 4. September 2026, um 18.30 Uhr am Gänsebrunnen beim Backnanger Rathaus.
  • Bitte bedienen Sie sich noch an unserem Infotisch. Dort gibt es auch Postkarten zum Mitnehmen und Abschicken zum Thema Atomwaffen sowie eine Unterschriftenliste zum Thema: „Frieden in den Lehrplan“.
  • Sascha Santorineos hat heute ohne Honorar für uns Musik gemacht. Vielen Dank. Er freut sich sehr, wenn Sie eine kleine Spende für ihn in dieses Glas legen.
  • Nun möchte ich mich nochmals ganz herzlich bei Ihnen allen für Ihr Kommen bedanken, sowie bei allen Mitwirkenden. Ich wünsche uns allen einen schönen Sommer und eine Zukunft im Frieden. Danke.

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