Mahnwache vom 18.09.2026

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Bild von schulstreikgegenwehrpflicht

Doris:
Guten Abend. Ich begrüße Sie und euch im Namen der Friedensinitiative Schorndorf zu unserer Mahnwache gegen den Krieg und für den Frieden. Vielen Dank allen, die gekommen sind. Besonderen Dank an unsere Gäste, die aus Backnang und Beutelsbach extra hergefahren sind und an Dorothea, die unser Transparent in der Mitte wieder neu aufbereitet hat.

Wir treffen uns heute zur ersten Mahnwache nach den Sommerferien. Manche von uns waren vielleicht in den Ferien verreist oder haben auf andere Weise etwas Abstand gewonnen von all den Ängsten und Sorgen, die uns umtreiben. Es tut gut, die Natur zu genießen, Gemeinschaft mit Freunden zu haben, zu entspannen, eine Zeit lang nicht alle schlimmen Nachrichten zu lesen oder zu sehen. Dennoch holt uns das Thema Krieg sehr schnell wieder ein. Wir sind heute wieder hier, weil wir nicht umhin können, uns diesem Thema zu stellen und weil das gemeinsam mit anderen leichter geht als alleine.

Ich möchte heute nicht Details zu der bedrohlichen Entwicklung im Ukrainekrieg, zur Eskalation der Spannungen zwischen Deutschland und Russland, oder zur Fortführung des Iran-Kriegs beschreiben. Wir alle sind vermutlich ausreichend darüber informiert. Ich möchte den Schwerpunkt setzen auf die Aktivitäten, die vonseiten der Friedensbewegung geplant sind, um dem Wahnsinn etwas entgegen zu setzen.

Wo bleibt der Protest der Jugend? So fragen wir uns ja immer wieder. Die Jugend nimmt nicht an unseren Mahnwachen, Vortragsabenden usw. teil, aber sie macht, wie man so sagt, „ihr eigenes Ding“. Es stehen zweierlei Aktionen an:

Am Freitag, den 25. September wird der vierte Schulstreik gegen Wehrpflicht stattfinden. Auf der homepage: schulstreikgegenwehrpflicht.com finden sich viele Details dazu.
Ich zitiere aus dem Aufruf der Organisatoren: „Wir werden in der Woche des Weltfriedenstags gemeinsam aktiv und streiken während der groß angelegten Militärübung „Red Storm Charlie“ in Hamburg, die zur Kriegsvorbereitung dient… Gegen die Wehrpflicht zu kämpfen bedeutet nicht nur an dem Streik auf der Straße zu stehen. Wir müssen darüber hinaus zwischen den Streiktagen aktiv gegen die Vorbereitung auf die Wehrpflicht sein. ..Die Bundeswehr versucht schon lange, an unseren Schulen präsent zu sein, immer öfter tauchen ihre „Jugendoffiziere“ in unseren Klassenräumen auf. Ihr Ziel ist es, die Bundeswehr als alternative Karrieremöglichkeit, als „normaler Arbeitgeber“, als unverzichtbare Institution oder sogar als ein witziges Abenteuer für Jugendliche darzustellen.
Um das sogar noch einfacher zu machen, verabschieden immer mehr Bundesländer Kooperationsvereinbarungen mit der Bundeswehr… Im Jahr 2025 erreichten Jugendoffiziere so viele Jugendliche wie nie zuvor, bei insgesamt 5.527 Veranstaltungen in Schulen…“

Die Organisatoren rufen dazu auf, im Rahmen von Schulvollversammlungen und Schulkonferenzen aktiv zu werden, Unterstützung bei Elternvertretungen und Lehrerrat zu suchen, sich zu vernetzen usw. Am 14./15.11. wird in Bonn die IV. Schulstreikkonferenz durchgeführt. Stand heute sind bereits ca. 80 Städte für den Schulstreik angemeldet, u.a. auch Backnang und Stuttgart. Ich finde, diese Aktion zeugt von großem Engagement und hat durchaus politisches Potential.

Die zweite Aktion der Jugend ist eine Konzert-Kundgebung am 2. Oktober in Berlin mit dem Titel: „Unzwingbar – kein Bock auf Krieg und Wehrpflicht“. Das ist zwar nicht unbedingt eine Wortwahl, die mir entspricht, aber wir müssen akzeptieren, dass die Jugend eben anders „tickt“. Ich zitiere aus dem Aufruf: „Sie wollen uns erzählen, es gehe um Verantwortung, um Vaterland, um Sicherheit. Um eine Generation, die endlich wieder „dient“. Aber nennen wir es, was es ist: Zwang. Während in klimatisierten Büros Milliarden für Raketen, Panzer und Drohnen verschoben werden, sollen junge Menschen ihre Zeit in Kasernen verbringen. Während andere über Kriege entscheiden, sollen wir lernen, auf Kommando zu marschieren. Und wenn es ernst wird, dann auch zu töten und zu sterben. Wir haben genug von einer Politik, die junge Menschen für den Machtpoker um die Welt in Einsätze schickt. Genug von der Vorstellung, Solidarität bestehe darin, für einen Staat zu marschieren, der Milliarden in Waffen steckt, während Wohnungen fehlen, Schulen verfallen und soziale Sicherheit zur Kürzungssache erklärt wird.“

Die Jugend ist nicht alleine, sondern mehrere etablierte Friedensorganisationen rufen mit zu der Kundgebung auf. Das Netzwerk Friedenskooperative schreibt: „Diese Brücke zwischen den Generationen ist ein starkes Signal: Die Jugend fordert Zukunft statt Aufrüstung. Sie lässt sich ihre Selbstbestimmung und Träume nicht für militärische Logiken nehmen. Erfahrung trifft auf neuen Schwung: Wir verbinden Jahrzehnte des Friedensengagements mit der Energie und den Aktionsformen einer jungen Generation, die für ihre Rechte streikt. Gemeinsam zeigen wir: Der Einsatz für Frieden ist dringend notwendig und betrifft uns alle – von den Schulbänken bis ins hohe Alter!“

Gemeinsam sollte die Friedensbewegung auch mit den Gewerkschaften auf die Straße gehen. Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften rufen unter dem Motto „Hart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente.“ zu einem bundesweiten Aktionstag auf. Am 26. September finden in 15 Großstädten Kundgebungen statt. Dafür hat die Initiative „Gewerkschaften gegen Aufrüstung“ einen guten Flyer produziert. Überschrift: „Der Kampf gegen Sozialabbau muss verbunden werden mit dem Kampf gegen Hochrüstung und Krieg!“

Ich bin froh, dass es auch dieses Jahr am 3. Oktober wieder zeitgleich in Berlin und Stuttgart eine bundesweite Friedensdemonstration geben wird. Das Motto lautet: „Nein zu Hochrüstung, Wehrpflicht und Krieg! Für Frieden, demokratische Rechte und soziale Sicherheit“. Die Veranstalter betonen, dass sie die Konzert-Kundgebung vom 02.10. trotz der zeitlichen Nähe nicht als Konkurrenz sehen, sondern als Ergänzung. Beginn ist am 03.10. jeweils um 13 Uhr, in Berlin am Brandenburger Tor, in Stuttgart am Schlossplatz. Schon jetzt rufen 250 Friedensinitiativen und Organisationen dazu auf, sich zu beteiligen. Paul Schobel wird u. a. wieder als Redner dabei sein. Margot Käßmann wird mit einem Video-Grußwort vertreten sein. Die Flyer mit dem Text des Aufrufs liegen in der Mitte zum Mitnehmen und weiter Verteilen aus, weitere Infos auch hier.

Im Oktober wird wieder das jährliche NATO-Manöver „Steadfast Noon“ stattfinden. Es wird dabei geprobt, die in Büchel und Nörvenich gelagerten Atombomben an Jagdbomber zu montieren und abzuwerfen. Die Übung des Einsatzes von Atomwaffen bedeutet die Vorbereitung eines Kriegsverbrechens. Daher ruft das Bündnis „Atomwaffenfrei-jetzt“ zusammen mit anderen Friedensorganisationen wieder zu Protesten dagegen auf. Am 10. Oktober findet in Büchel sowie am 17. Oktober in Nörvenich eine Demonstration statt.

Neben all diesen Aktionen gibt es immer wieder Fachleute, die sich mit kritischen Texten, Analysen oder Appellen zu Wort melden. Auch wenn man leider in den üblichen Medien nichts davon findet, kann man sich im Internet sehr gut informieren.

Es gibt Kampagnen, die man im Internet unterzeichnen kann, wie z.B. einen Aufruf der Organisation Pro Peace an Finanzminister Klingbeil gegen die Rekordaufrüstung. Hier gibt es eine vorformulierte Email zum Verschicken.

Zum Antikriegstag hat die Ärzteorganisation IPPNW ein sehr fundiertes Papier zum Ukrainekrieg veröffentlicht. Titel: „Spannungsabbau und Risikoreduktion: Für konventionelle und nukleare Abrüstung“. Sie will damit einen Beitrag zu einem Politikwechsel leisten: Weg von der Rüstungseskalation und hin zu Diplomatie und Entspannungspolitik. Das Papier wurde an die Bundesregierung geschickt.

Es gibt also durchaus sehr vielfältige Formen des Protests gegen den Krieg und die Militarisierung. Immer wenn die Nachrichten über die Weltlage mich zu erdrücken drohen, versuche ich mir bewusst zu machen, dass es auch eine Gegenströmung gibt. Dass sie getragen wird von vielen Menschen guten Willens, die sich mit ihren Kräften und auf ihre unterschiedliche Weise einsetzen für eine bessere Zukunft. Und dass es gut ist, ein Teil dieser Gegenströmung zu sein.

Heidrun:
Wir werden jetzt wieder einige Minuten schweigen.
Wir denken an die Opfer der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage, an die Opfer von Terrorismus und politischer Verfolgung.  An die Menschen, die im Krieg verletzt wurden an Leib und Seele. An alle, die ihr Leben verloren haben. An alle, die ihre Heimat verlassen mussten und auf der Flucht sind.

Wir denken an alle, die sich für den Frieden stark machen, in der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern. Und in der Hoffnung, dass ein friedensstiftendes Bewusstsein und Handeln immer mehr Menschen erreicht.

Heidrun:
Ich lese aus dem Buch „Grundrechte“ von Ulrich Schaffer

Du hast das Recht, aufzubegehren
Du hast das Recht, aufzubegehren
gegen die Verbreitung des Todes im Namen des Friedens.
Du hast das Recht, dich zu wehren gegen den Wahnsinn der Rüstung
und gegen die Theorien, die den Krieg zu einer ökonomischen Notwendigkeit erklären.

Du hast das Recht, dich zu wehren gegen das Rechnen mit Menschenleben,
ob Soldaten oder Zivilisten, denn hinter jedem Namen
steht ein schlagendes Herz mit Wünschen und Träumen.
Du hast das Recht, gegen die Finanzierung der Maschinerie des Todes aufzubegehren,
weil sie mit den Dollars, Euros und Rubeln,
mit dem Geld der Armen der ganzen Welt bezahlt wird.

Man sagt dir, dass du davon nichts verstehst und tut so, als sei das Ganze sehr kompliziert.
Dabei ist es die uralte Ordnung oder Unordnung der Macht und Gewalt,
des Unterwerfens und der Ausbeutung.
Neu sind nur die Formen, die Bezeichnungen und Gegenüberstellungen.
Die Zerstörung ist die alte.

Du hast das Recht, dich entschieden auf die Seite des Lebens zu stellen,
deine ganze Energie einzusetzen,
um diesen Planeten zu retten vor der Kurzsichtigkeit der Mächtigen.
Du arbeitest nicht nur an deinem eigenen Überleben,
sondern an dem Wachstum der Menschheit.
Zukünftige Generationen werden es uns danken,
wenn wir jetzt unser Recht zu leben wahrnehmen
und der Aufrüstung in jeder Form ein Ende machen. 

Heidrun:
Ergänzend zu den von Doris genannten Aktionen möchte ich euch noch folgende Informationen mitgeben, bevor wir unsere Mahnwache beenden:

  • Morgen, Samstag, 19.09.2026, findet im Hospitalhof in Stuttgart von 10:30 – 17:30 Uhr ein Studientag statt unter dem Motto „Wie geht Frieden? – Wege aus der Konfrontation“.
    Der Kostenbeitrag ist 10,00 €; es wird um Anmeldung bzw. Reservierung gebeten.
  • Daniele Ganser, der bekannte Schweizer Historiker, Publizist und Friedensforscher kommt am 21.09.2026 nach Böblingen. Sein Vortrag lautet „Die NATO ein gefährliches Militärbündnis“. Karten können hier über das Internet bestellt werden.
  • Am Samstag 03. Oktober um 17 Uhr kommt Ulrike Guérot zu einer Lesung aus ihrem neu erscheinenden Buch „Endlich Europa“ nach Kernen-Stetten. Für die Veranstaltung ist eine Reservierung per Email an info@allmende-stetten.de erforderlich! (Eintritt 10 Euro).
  • Wer sich morgen an der Banneraktion beteiligen kann, bitte im Anschluss bei Doris melden.
  • Unsere nächste Mahnwache ist heute in einer Woche, am Freitag den 25.09.26 um 18.00 Uhr wieder hier auf dem Marktplatz.

Vielen Dank fürs Zuhören und Dabeisein. Kommt alle gut nach Hause.

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