Bild von John Hain auf pixabay
Gisela:
Begrüßung.
Aufhänger: Zitat Einstein: „wie kommt es zum Krieg“ / Brief an Freud: „Neben Manipulationen der Herrschenden durch Schule, religiöse Institutionen, Presse …. lebt im Menschen ein Bedürfnis zu hassen und zu vernichten…“ Assoziation: Erbsünde
Auf der Suche nach Gegenpositionen gefunden: „Im Grunde Gut“, Rutger Bregman. Hier ein paar Auszüge aus dem Buch:
– Es gibt aus prähistorischer Zeit, also vor ca. 30 000 Jahren, z.Z. der Jäger und Sammler keinen überzeugenden Beweis für Kriege, kriegsähnliche Kämpfe. Die Menschen zogen umher auf der Suche nach Nahrung, es gab für alle genug, sie begegneten immer neuen Menschen, konnten sich leicht auch anderen Gruppen anschließen. Der frühe „homo sapiens“ gilt als freundlich, umgänglich und kontaktfreudig. Anthropologen stellten sich lange die Frage, wie er sich gegen andere „Menschenähnliche“ z. B. Neandertalern, die als kräftiger und klüger gelten, durchsetzen konnte. Überraschend die Erkenntnis, dass der Homo sapiens sich durchsetzte mit Freundlichkeit, Nachahmung, voneinander lernen. Er ging dadurch leichter Beziehungen ein und vermehrte sich dadurch stärker.
Wie lässt es sich erklären, dass dieser eigentlich freundliche Homo sapiens aus der Nomadenzeit im Laufe der Geschichte zu schrecklichen Handlungen fähig war (viele Kriege, Massentötungen, Holocaust….)?
Eine sehr grundlegende Veränderung war der Beginn des sesshaften Lebens.
Die ersten Kriege brachen aus, als die Menschheit sich an festen Orten niederließ, erste militärische Befestigungen entstanden. In Höhlenmalereien finden sich ab dieser Zeit Bilder von Bogenschützen, die einander angreifen. Es gab jetzt Besitz um den man kämpfen konnte. (manche Forscher sprechen hier vom „Sündenfall der Menschheit“.
Hier noch weitere Blitzlichter aus dem Buch zur Vielschichtigkeit des menschlichen Verhaltens:
– Experiment Stromstoß wurde ca. 1961 an der Stanford Universität durchgeführt.
Die Teilnehmer wurden aufgefordert, angeblichen Probanden in einem anderen Raum,ansteigende Stromstöße zu verpassen, bis zu zu tödlichen 450 Volt. 65% der Teilnehmer machten das! WARUM?
Weil es ihnen aufgetragen wurde.
In vielen nachträglichen Bearbeitungen dieses Experimentes wurde auch herausgearbeitet, dass
fast alle Teilnehmer aufhören wollten, versuchten zu diskutieren, versuchten zu verweigern…
Diejenigen, denen es gelang sich zu verweigern (Nichts für die Wissenschaft tun zu wollen…) verweigerten hartnäckiger.
Die gute Nachricht dabei ist: es kann wichtig sein, hartnäckig Widerstand zu leisten gegen fragwürdige Autoritäten.
– Beispiel Eichmann
In dem Prozess Ende der 60 er Jahre in Israel äußerte Eichmann sich ohne jede Reue mit voller Überzeugung „das Richtige“ getan zu haben. Er tat das Schlimme, weil er es für etwas Gutes hielt.
Hanna Arendt, die den Prozess beobachtete schrieb: „Wenn sich Menschen für das Böse entschieden hatten, hatten sie immer noch das Bedürfnis, sich hinter Lügen und Klischees zu verstecken, die suggerieren, dass das Böse trotzdem gut ist“.
– Beispiel Krieg
Deutsche Soldaten im 2. Weltkrieg galten in ausländischen Medien als viel härter im Kampf als als britische und amerikanische Soldaten, es gab kaum Deserteure. Auf der Suche nach Erklärungen stellten Historiker heraus, dass die Soldaten nicht für das Tausendjährige Reich, nicht für Blut und Boden, Nazismus kämpften, sondern für ihre Kameraden, die sie nicht im Stich lassen wollten.
Erhebungen aus anderen Kriegen:
Es war wohl für Soldaten immer schon schwer, auf den direkt gegenüber stehenden Menschen zu schießen / stechen mit Bajonett. Schon immer schossen Soldaten darüber oder daneben. Die vielen Toten, die großen Vernichtungen erfolgten durch Bomben, Raketen, heute Drohnen. Also mit Waffen, die aus der Ferne töten.
-Beispiel Dänemark
Als Dänemark von den Nationalsozialisten eingenommen wurde, stand die Bevölkerung solidarisch zu ihren Jüdischen Mitbürgern, versteckte sie oder verhalf zur Ausreise. Nur vereinzelt wurden in Dänemark Jüdische Mitbürger von den Nazis verschleppt.
– Beispiel gegenseitige Hilfe im Alltag
Aufgestellte Kameras filmten Alltagsgeschehnisse. In 90%aller kleinen Geschehnisse halfen die fremden Menschen einander.
Die Beispiele zeigen: die Menschen sind in der Lage, grausame, schreckliche Dinge zu tun.
Andererseits konnte bei genaueren Untersuchungen herausgearbeitet werden, dass darunter ein Bedürfnis lag: gut zu sein, zu gefallen, etwas für die Wissenschaft zu tun…im Sinne von Hanna Arendt:
„Der Mensch wird vom Bösen verführt, das im Gewand des Guten daherkommt“.
Gisela:
Wir laden Sie jetzt wieder ein, 5 Min. mit uns zu schweigen.
Wir denken mit Trauer an all die Menschen, die durch Krieg und Gewalt zu Tode gekommen sind oder verletzt wurden. Wir lassen unser Mitgefühl zu mit all den Menschen, die durch Krieg und Zerstörung ihre Heimat und Wohnstatt verlieren. Und wer möchte, kann eine Vision in sich entstehen lassen: eine Vision von einer Welt ohne Krieg
Gisela:
Ich lese eine Parabel, die im Internet kursiert, von der wohl niemand genau weiß, woher sie stammt:
Ein Großvater sagte einst zu seinem Enkel: „In mir findet ein Kampf statt, ein Kampf zwischen zwei Wölfen. Einer ist schlecht, böse, habgierig, eifersüchtig, arrogant und feige. Der andere ist gut – er ist ruhig, liebevoll, bescheiden, großzügig, ehrlich und vertrauenswürdig. Diese Wölfe kämpfen auch in dir und in jeder anderen Person.“ Der Junge dachte einen Moment nach und fragte dann:
„Welcher Wolf wird gewinnen?“ Der alte Mann lächelte. „Der Wolf, den du fütterst“
Doris:
Ich möchte noch folgendes ansagen, bevor wir unsere Mahnwache beenden.
- Der Friedensnobelpreis ging in diesem Jahr an die südafrikanische Menschenrechtlerin Navanethem Pillay. Sie wurde für ihren Einsatz für das Völkerrecht und gegen Kriegsverbrechen gewürdigt. Von 2003 bis 2008 war sie Richterin am Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag, danach bis 2014 UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. Später leitete sie eine UN-Untersuchungskommission zu den palästinensischen Gebieten. Diese stellte im September 2025 einen Bericht vor, in dem sie Israel Völkermord im Gazastreifen vorwarf.
- Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ging in diesem Jahr an den französisch-britischen Völkerrechtsanwalt Philippe Sands. Er hat Deutschland «unanständiges Schweigen» im Umgang mit Israel vorgeworfen. Völkerrechtsverletzungen müssten klar benannt werden – gerade unter Freunden. «Es ist nicht antisemitisch. Es ist nicht Anti-Israel. Es ist die Wahrheit».
Ich bin der Meinung, dass beide Friedenspreise in diesem Jahr, anders als letztes Jahr, zurecht vergeben worden sind. - Am 13. Oktober hat die NATO das Manöver „Steadfast Noon“ begonnen, bei dem ein Atomkrieg über Europa, mit Beteiligung deutscher Soldaten, trainiert wird. Nach einer Protestaktion am Atomwaffenstandort Büchel am 10.10. ruft die Friedensbewegung zu einer weiteren Demonstration in Nörvenich für kommenden Samstag, 17.10., auf.
- Noch bis morgen um 12.00 Uhr kann man für die SWR-Hitparade abstimmen. Im letzten Jahr wurde das Lied „Nein, meine Söhne geb´ ich nicht“ von Reinhard Mey in der Stadt Stuttgart auf Platz 4 gewählt. Das ist ein starkes Zeichen. Auch wer nicht SWR 1 hört und kein Fan von Hitparaden ist, sollte die Gelegenheit nutzen und 5 Friedenslieder wählen.
- Am Samstag, den 24.10. findet ab 14.00 Uhr eine Antifaschistische Kreisrundfahrt zu den Stätten der Nazi-Verbrechen im Rems-Murr-Kreis statt. Thema: „Auf den Spuren des Dritten Reiches“. Start ist am Busbahnhof Schorndorf. Veranstalter ist die VVN-BdA.
- Am Mittwoch, 11. November spricht Helga Baumgarten um 19.00 Uhr im Martin-Luther-Haus auf Einladung der Ökumenischen Friedensgruppe der Stadtkirchengemeinde Schorndorf zum Thema: „Siedlergewalt in der West Bank – was können wir tun?“ Sie lebt und lehrt an der arabischen Universität in Jerusalem und ist Autorin wichtiger Bücher über Palästina, Gaza, Hamas, West Bank u.a.
- Unsere nächste Mahnwache ist heute in einer Woche, am Freitag den 23.10.26 um 18.00 Uhr wieder hier auf dem Marktplatz.
Jetzt ist noch Zeit zum Austausch, und kommen Sie dann gut nach Hause.