Mahnwache der Schorndorfer Friedensinitiative vom 04.03.2022

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Geschätzt waren zu dieser Mahnwache weit mehr als 100 Menschen gekommen. Zu Beginn trugen Doris und Uwe im Wechsel folgenden Beitrag vor:

Doris:

Mein Name ist Doris Kommerell von der Friedensinitiative Schorndorf.

Vielen Dank an alle, die gekommen sind.

Die Stadt Schorndorf hat es genehmigt, dass wir heute und auch an den kommenden Freitagen jeweils um 18.00 Uhr eine Mahnwache abhalten können. Vielen Dank.

Wir sind heute hier zusammengekommen

  • Weil dieser brutale Krieg in der Ukraine täglich neue Opfer fordert
  • Weil wir es fast nicht aushalten, mit der Flut von schrecklichen Nachrichten umzugehen
  • Weil wir ein Zeichen setzen wollen gegen diesen Krieg
  • Weil wir uns solidarisieren mit allen Menschen in der Ukraine, die ganz konkret leiden und sterben – sowie mit den Menschen in Russland, die diesen Krieg ablehnen.

 

Wir können es noch nicht fassen, wie schnell  die Ereignisse sich überstürzen und was das für die Zukunft bedeutet. Ist jetzt plötzlich alles nicht mehr gültig, was wir bisher für richtig gehalten und wofür wir uns eingesetzt haben? War die Friedensbewegung wirklich zu naiv? Wir ringen um eine Haltung.

 

  • Wir können es nachvollziehen, dass die Ukraine um Waffen bittet, um sich zu verteidigen.
  • Wir können es nachvollziehen, dass die Bundesregierung dem Druck nachgegeben hat und jetzt Waffen liefert.
  • Nachvollziehen bedeutet nicht gutheißen. Denn wir befürchten, dass zusätzliche Waffen den Krieg und somit das Leiden der Menschen noch verlängern.
  • Und: wir sind sicher, dass auf längere Sicht der Konflikt zwischen Russland und der Nato nicht durch Aufrüstung gelöst werden kann. Im Gegenteil: er wird immer weiter eskalieren.
  • Und: wenn 100 Milliarden Euro für die Aufrüstung der Bundeswehr investiert werden, werden keine ausreichenden Mittel mehr vorhanden sein, den Klimawandel zu stoppen und weitere dringende Probleme der Menschheit zu lösen.
  • Daher ist unsere Hoffnung, dass Deutschland sobald wie möglich wieder zurückkehrt zu ihrem bisherigen Grundsatz: keine Rüstungsexporte in Kriegsgebiete. Dass das gigantische Aufrüstungsvorhaben nicht Realität wird. Dass baldmöglichst Gespräche über eine neue europäische Friedensordnung geführt werden können. Noch scheint dies weiter entfernt denn je. Aber wir brauchen positive Visionen, für die es sich lohnt, sich einzusetzen.

 

Es ist gut, dass es an vielen Orten Aktionen gegen den Krieg gibt. Besonderen Respekt verdienen diejenigen, die ihre Ablehnung unter Gefahr für Leib und Leben in Russland äußern. Wir nennen ein Beispiel: Am 24.02.22 wurde ein Offener Brief von 150 russischen WissenschaftlerInnen herausgegeben. Inzwischen haben schon hunderte WissenschaftlerInnen unterschrieben. Wir lesen einige Sätze daraus:

 

 

 

 

 

 

Uwe:

Wir, russische Wissenschaftler und Wissenschaftsjournalisten, protestieren nachdrücklich gegen die von den Streitkräften unseres Landes eingeleitete Militäraktion auf dem Gebiet der Ukraine. Dieser fatale Schritt führt zu enormen Verlusten an Menschenleben und untergräbt die Grundlagen des etablierten Systems der internationalen Sicherheit.

Die Verantwortung für die Entfesselung eines neuen Krieges in Europa liegt allein bei Russland. Es gibt keine vernünftige Rechtfertigung für diesen Krieg. …

Die Ukraine war und ist ein Land, das uns nahe steht. Viele von uns haben Verwandte, Freunde und Kollegen in der Ukraine. Unsere Väter, Großväter und Urgroßväter haben gemeinsam gegen den Nationalsozialismus gekämpft. Die Entfesselung des Krieges für die geopolitischen Ambitionen der russischen Führung, …, ist ein zynischer Verrat am ihrem Vermächtnis.

Wir respektieren die ukrainische Staatlichkeit, die sich auf funktionierende demokratische Institutionen stützt. Wir haben Verständnis für die proeuropäische Entscheidung unserer Nachbarn. Wir sind überzeugt, dass alle Probleme in den Beziehungen zwischen unseren Ländern friedlich gelöst werden können. Durch die Entfesselung des Krieges hat sich Russland selbst zur internationalen Isolation, … verurteilt. ….

Ein Krieg mit der Ukraine ist ein Schritt ins Nirgendwo. Wir sehen mit Bitterkeit, dass unser Land, das einen entscheidenden Beitrag zum Sieg über den Nationalsozialismus geleistet hat, nun zum Anstifter eines neuen Krieges auf dem europäischen Kontinent geworden ist. Wir fordern die sofortige Einstellung aller Militäraktionen gegen die Ukraine. Wir fordern die Achtung der Souveränität und territorialen Integrität des ukrainischen Staates.

Wir fordern Frieden für unsere Länder.

Lassen Sie uns Wissenschaft betreiben, nicht Krieg!

 

Doris:

Wir lesen noch einige Sätze aus einer Stellungnahme der Friedensorganisation ICAN  (Internationale Kampagne für die Abschaffung von Atomwaffen). ICAN ist ein globales Bündnis von über 450 Organisationen in 100 Ländern. Dieses internationale Bündnis hat den Prozess zum UN-Vertrag für ein Atomwaffenverbot mit auf den Weg gebracht und wurde dafür 2017 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

 

Uwe:

Auch wir sind fassungslos über die Eskalation des Krieges in der Ukraine. Das Leid der Zivilbevölkerung dort ist schon jetzt unermesslich. Daher möchten wir unsere volle Solidarität mit den Menschen in der Ukraine aussprechen aber auch mit den mutigen Russinnen und Russen, die sich gegen den Krieg wenden.

Als sei der Krieg nicht schon schlimm genug, hat Putin am Sonntag Nachmittag auch noch seine atomaren Streitkräfte in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Wir verurteilen diesen Eskalationsschritt sowie den Krieg im Allgemeinen auf das Allerschärfste.

Durch die Drohung mit Atomwaffen wird greifbar, wie gefährlich ein Konflikt mit atomar bewaffneten Staaten ist. Atomwaffen sind dafür gemacht, eingesetzt zu werden und sie wurden bereits eingesetzt. Im Kontext des aktuellen Krieges stellen sie eine existenzielle Bedrohung für die Menschheit dar. Atomwaffen tragen nicht zur Lösung bei, sondern gefährden die Bevölkerung auch in unbeteiligten Staaten. Schon der Einsatz einer einzigen Atombombe wäre eine humanitäre Katastrophe ohne gleichen.

Die aktuelle Entwicklung ist beängstigend. Mehr denn je fordern wir von der Bundesregierung, Atomwaffen zu ächten und dem Atomwaffenverbotsvertrag beizutreten, das Völkerrecht zu stärken und auf dessen Einhaltung zu drängen. Jede Atomwaffe ist ein zu großes Risiko – egal ob in den Händen der Russlands, der USA oder auf deutschem Territorium. Wir werden uns weiterhin dafür einsetzen, dass es nie mehr zu einer nuklearen Konfrontation kommen kann.

 

Doris:

Wir werden jetzt  5 Minuten schweigen und ganz besonders an die Menschen in der Ukraine denken, sowie an alle Politiker, die jetzt Entscheidungen treffen müssen. Danach werden wir ein kurzes Gedicht vortragen. Im  Anschluss ist die Möglichkeit, weiter zu schweigen oder sich auszutauschen. Bitte bleiben Sie noch bis  18.30 Uhr. Die Mahnwache wird dann mit einem Lied von Bernd Brosig beendet. Nächsten Freitag, am 11.03.22 wird hier auf dem Mittleren Marktplatz um 18.00 Uhr die nächste Mahnwache stattfinden.

Schweigen

Ich lese ein kurzes Gedicht von Bert Brecht:

Bitten der Kinder

Die Häuser sollen nicht brennen
Bomber soll man nicht kennen
Die Nacht soll für den Schlaf sein
Leben soll keine Straf´sein
Die Mütter sollen nicht weinen
Keiner soll töten Einen
Alle sollen was bauen
Da kann man allen trauen
Die Jungen sollen´s erreichen
Die Alten desgleichen.

Anschließend wurde fünf Minuten geschwiegen.

Zum Schluss wurde der von Bernd Brosig produzierte „Warum-Song“ abgespielt.

https://www.youtube.com/watch?v=aX3XstPsBtg

Im folgenden noch einige Bilder von der Veranstaltung:

http://

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