Mahnwache am 25.09.2026

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Bild von JeffreySachs.org

Doris:
Guten Abend. Ich begrüße Sie und euch im Namen der Friedensinitiative Schorndorf zu unserer Mahnwache gegen den Krieg und für den Frieden. Vielen Dank allen, die gekommen sind. Heute wird Ernst Delle zu uns sprechen, und ich übergebe gleich das Mikrofon.

Ernst:
Ich lese einen Artikel von Jeffrey Sachs, Leiter des Zentrums für nachhaltige Entwicklung an der Columbia University in New York, erschienen in der Zeitung gegen den Krieg Nr. 63, Herbst 2026.

Ukraine – Amerikas andauernder Stellvertreterkrieg gegen Russland.
Im Wahlkampf 2024 trat Donald Trump als der Mann auf, der Amerikas „ewige Kriege“ beenden würde. Dies stellte sich jedoch als weit von der Wahrheit entfernt heraus.

Das Jahr 2025 begann mit einem Theaterstück für die Öffentlichkeit: Dazu gehörte die Demütigung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Oval Office, bei der Trump ihn mit der Bemerkung „Die Ukraine hat keine Trümpfe in der Hand“ bloßstellte. Später folgte eine einwöchige Aussetzung des Informationsaustauschs der US-Geheimdienste mit Kiew. Damit wurde bewiesen:

Erstens handelt es sich um einen US-Krieg: Da der Ukraine nur für wenige Tage Geheimdienstinformationen vorenthalten wurden, verschlechterten sich ihre Tiefschlagfähigkeit und ihr Lagebild auf dem Schlachtfeld sichtbar.

Zweitens zielte der Druck des Weißen Hauses nicht auf Frieden mit Moskau, sondern auf Gehorsam seitens Kiews ab. Der militärische Hahn der USA wurde wieder aufgedreht und hinter den Kulissen von Gipfeltreffen und Telefonaten folgte die seit 2022 systematischste Eskalation der amerikanischen Militärrolle. 

Im Juni 2025 unterzeichnete Trump die Executive Order 14307 mit dem Titel „Unleashing American Drone Dominance“ (Die amerikanische Drohnenvorherrschaft entfesseln). Darin ordnete er den Wiederaufbau der amerikanischen Drohnen-Industriebasis an und wies das Pentagon an, „in der Lage zu sein, kostengünstige, leistungsstarke Drohnen zu beschaffen, zu integrieren und deren Einsatz zu trainieren“. Im Juli inszenierte Verteidigungsminister Pete Hegseth eine Drohnenvorführung im Pentagon, hob Beschaffungsbeschränkungen auf und setzte damit die militärische Drohnenvorherrschaft frei. Im selben Monat fragte Trump laut späterer Berichterstattung der „Financial Times“ in einem Telefonat mit Selenskyj, ob die Ukraine Moskau angreifen könnte, wenn man ihr Waffen mit größerer Reichweite zur Verfügung stellen würde.

 Ab Mitte des Sommers 2025 lieferten die USA die nachrichtendienstlichen Informationen für die ukrainische Langstrecken-Drohnenkampagne gegen russische Raffinerien, Pipelines und Kraftwerke. Dabei beeinflussten sie die Routenplanung, die Flughöhe, den Zeitplan und die Einsatzentscheidungen. Im August fand der Gipfel in Alaska statt, der zwar diplomatische Bemühungen suggerierte, gleichzeitig aber auch den Verkauf von „Extended Range Attack Munitions” an die Ukraine vorsah. Die Kosten hierfür übernahmen die europäischen Verbündeten. Bis Oktober hatte Trump das Pentagon und die Geheimdienste offiziell ermächtigt, der Ukraine Zieldaten für Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur tief im Inneren Russlands zu liefern.
Wie sich herausstellte, hatten die USA von Anfang an Milliarden in den Aufbau des ukrainischen Drohnenprogramms investiert – ein Vorhaben, das durchgehend von der CIA unterstützt wurde. Trump lügt ständig und vieles davon ist die Improvisation eines eitlen und leichtsinnigen Mannes. Doch die Lügen mit weitreichenden Folgen sind systematisch und gehen in eine Richtung: Sie dienen dem militärisch-industriellen Komplex.

 Die Ukraine ist zu einem einzigartigen Live-Feuer-Labor für KI-Kriegsführung in großem Maßstab geworden. Es gibt Millionen von Drohneneinsätzen, einen ständigen Wettlauf um Anpassung an die elektronische Kriegsführung eines gleichwertigen Gegners und Tausende von Stunden an Kampfdaten, die das wertvollste militärische KI-Kapital der Welt darstellen.

 Die Ukraine stirbt durch amerikanische Hand. Dreißig Jahre, nachdem Brzezinski die Ukraine als den entscheidenden geopolitischen Dreh- und Angelpunkt für die amerikanische Vorherrschaft bezeichnet hatte, ist das Land demografisch ausgehöhlt und territorial beschnitten. Sein Energienetz ist zerstört, seine Wahlen ausgesetzt und seine Politik auf korrupte Palastintrigen reduziert.

Die tiefste Grausamkeit besteht darin, dass Russland seit 30 Jahren wiederholt eine Sicherheitsvereinbarung mit den USA angestrebt hat, in der alle beteiligten Länder in Frieden, gegenseitigem Respekt und unteilbarer Sicherheit leben würden. 

Doch die USA wollen keine Sicherheit auf der Grundlage gegenseitigen Respekts. Sie streben nach Vorherrschaft, was etwas ganz anderes ist. Dabei opfern sie die Ukraine und den Iran ihrer Hybris. Für Frieden in der Ukraine müssten die USA lediglich ihre seit Jahrzehnten gepflegte Überheblichkeit aufgeben, dass Russland zur Kapitulation gezwungen werden könne, und stattdessen die Ukraine als neutrale Brücke zwischen Europa und Russland akzeptieren, anstatt sie als geopolitischen Dreh- und Angelpunkt gegen Russland zu nutzen. Eisenhower sah voraus, warum die Akzeptanz des Friedens so schwerfallen würde: Der militärisch-industrielle Komplex beeinflusst die Politik nicht nur, er bestimmt sie. Solange das amerikanische Volk die Demokratie nicht von Unternehmen wie Palantir, BlackRock, SpaceX und Chevron zurückerobert, werden die „Laboratorien“ auf dem Schlachtfeld offen bleiben und die Ukraine wird den fatalen Preis für die amerikanische „Freundschaft“ zahlen.

Jeffrey Sachs ist unter anderem Leiter des Zentrums für nachhaltige Entwicklung an der Columbia University in New York. Quelle: Zeitung gegen den Krieg Nr. 63, Herbst 2026 International Peace Büro-IPB, Marienstr. 19/20, 10117 Berlin ISSN 1611-2881.

Eine Nachbemerkung von mir: Heute vor 25 Jahren sprach Präsident Putin vor dem Deutschen Bundestag und erhielt „standing ovations“ von den Abgeordneten. Da haben in bestimmten Kreisen der USA wohl Alarmglocken geklingelt und es machten sich thinktanks daran zu untersuchen, wie eine produktive Zusammenarbeit von Westeuropa mit Russland verhindert werden kann. Damit sind sie inzwischen weit vorangekommen.

Doris:
Wir werden jetzt wieder einige Minuten schweigen. Wir denken an die Opfer der Kriege in der Ukraine, im Nahen Osten, und an die Opfer der Kriege in anderen Ländern, die oft vergessen werden. An die Menschen, die im Krieg verletzt wurden an Leib und Seele. An alle, die ihr Leben verloren haben, seien es Soldaten oder Zivilisten. An alle, die ihre Heimat verlassen mussten und auf der Flucht sind. An die geschundene Natur, an die zerstörte Kultur. Wir denken an alle, die sich für den Frieden stark machen, in der Hoffnung auf Versöhnung unter den Menschen und Völkern.

Doris:
Letzten Dienstag, am 22. September hielt UN-Generalsekretär Guterres bei der Vollversammlung in New York seine letzte Rede. Ich lese nun einige Zitate von Antonio Guterres:

Die größte Macht ist nicht die der Dominanz, sondern die, eine Zukunft für alle zu schaffen.

Wir müssen unsere Bemühungen verdoppeln, den sinnlosen Krieg in der Ukraine zu beenden. 

Es gibt nur einen Weg, das Leid in der Ukraine zu beenden – und das ist die Beendigung des Krieges.

Wir dürfen nicht zulassen, dass sich die Zweistaatenlösung vor unseren Augen auflöst.

Wir müssen die Schrecken von Hiroshima jederzeit im Auge behalten und erkennen, dass es nur
eine Lösung für die nukleare Bedrohung gibt:  überhaupt keine Atomwaffen zu haben

Künftige Generationen werden fragen, ob die Verantwortlichen gehandelt haben, als es noch eine Chance gab, Grenzen zu setzen, bevor sich diese Waffen unkontrollierbar vermehrt haben.

Wenn ich am 1. Januar nicht mehr Generalsekretär bin, seien Sie gewiss: Wo auch immer ich sein werde, was auch immer ich tun werde – ich werde weiterhin an der Überzeugung festhalten, dass Frieden möglich ist. 

An alle, die demonstriert, verhandelt, beraten, berichtet und mobilisiert haben: Gebt nicht auf! Die Geschichte ist auf eurer Seite!

Doris:
Ich möchte noch einiges ansagen, bevor wir unsere Mahnwache beenden. Zuvor wird aber Martin Jaeger noch eine Mitteilung machen.

Martin:
Sicher geht es euch wie mir: ich bin fassungslos über die gefährliche, zerstörerische Kriegstreiberei und frage mich, was kann ich in dieser Situation konkret für Frieden und für das Abwenden der drohenden Katastrophe tun. Konkretes Handeln ist auch ein wichtiger Schutz gegen das Fallen in eine verzweifelte Depression. Schon dass wir regelmäßig zur Mahnwache kommen, ist eine wichtige, hilfreiche Aktion. Auch persönliche Gespräche gehören dazu, Mitarbeit in der Friedensgruppe, Vorbereiten und Bewerben von Veranstaltungen, Teilnahme an unseren samstäglichen Banneraktionen, Verteilen von Flyern, wie jetzt für den 3.Oktober in Stuttgart, Aufrufe im eigenen WhatsApp Status, unterschreiben von Petitionen usw. Ihr seht, es gibt viele Möglichkeiten, wie ihr aktiv werden könnt.

Ich möchte noch eine Aktion erwähnen, die noch viel zu wenig genutzt wird: Leserbriefe.
Ich denke zunächst nur an Leserbriefe im Rems-Murr-Teil der Schorndorfer Nachrichten, bzw. Waiblinger Kreiszeitung. Derzeit sind es nur zwei von uns, die Leserbriefe schreiben. Doch wir unterliegen den Beschränkungen der Zeitung: maximal 1 Leserbrief pro Monat pro Person. Wir sind nicht Viele, doch wenn jede*r von uns einmal im Monat einen Leserbrief schreibt, werden wir eine ganz andere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit haben. Ich werde bei Signal eine Gruppe zur Koordination einrichten mit dem Namen „Leserbriefe für Frieden“. Jede*r kann teilnehmen, auch wer die Zeitung nicht abonniert hat. Man braucht für das Einreichen eines Leserbriefes nur das Datum und den Titel des Artikels, auf den man sich beruft. Dazu können wir in der Gruppe Vorschläge machen und absprechen, wer wann worüber etwas schreibt. Wer möchte, kann auch Textvorschläge bekommen. Die Gruppe wird bei meiner Mobilnummer 0174 101 6563 angesiedelt sein. Also lasst uns die Zeitung fluten.

Und noch zwei Hinweise bezüglich der schrecklichen Lage in Palästina:
– Die beiden Friedensaktivisten Aziz Abu Sarah und Moaz Inon, die den Peacewalk to Jerusalem initiiert haben, haben von ihrer gemeinsamen Pilgerreise durch das Heilige Land ein sehr bewegendes Buch geschrieben. Bisher gab es das Buch nur auf Englisch. Jetzt ist die deutsche Übersetzung erschienen mit dem Titel „Die Zukunft ist Frieden“. Sehr empfehlenswert!

– Und bitte merkt euch schon folgenden Termin: 11.11.2026! Da wird hier im Martin-Luther-Haus die bekannte, in Jerusalem lebende und lehrende Professorin Helga Baumgarten brandaktuell über die Situation dort berichten und uns sagen, was wir tun können. Thema: Siedlergewalt in der West Bank – Was können wir tun?

Nachtrag zu Ukraine-Krieg:
Schaut euch diese neuen Videos an:
– Julija Mendel:  Ihr wisst nichts über diesen Krieg. Sie ist eine ukrainische Journalistin. Von Juni 2019 bis Juli 2021 war sie Pressesprecherin des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Im September 2026 wurde sie wegen „Verbreitung von Desinformation und russischer Propaganda“ von Wolodymyr Selenskyj per Präsidialerlass sanktioniert.

– Ex-General Harald Kujat: Der Krieg ist längst verloren.

Doris:

  • Heute findet in vielen Städten der vierte Schulstreik gegen Wehrpflicht statt.
  • Morgen gibt es in 15 Großstädten Kundgebungen des DGB. Die Friedensbewegung lädt dazu ein unter dem Motto: „Der Kampf gegen Sozialabbau muss verbunden werden mit dem Kampf gegen Hochrüstung und Krieg!“
  • Am kommenden Sonntag findet in Winterbach an der Lehenbachschule ab 11.30 Uhr das 26. Internationale Fest statt. Das Motto lautet: „Frieden statt Krieg – Tanzen statt kämpfen“. In einer Ausstellung werden verschiedene Friedenszeichen erläutert und ihre Herkunft erklärt. Außerdem werden Erfahrungen mit Konflikten und ihrer positiven Bewältigung in verschiedenen Herkunftsländern dargestellt. Kinder können ein großes Friedenszeichen gestalten und Origami-Friedenskraniche falten.
  • Am 2. Oktober findet in Berlin eine Konzert-Kundgebung der Jugend statt. Titel: „Unzwingbar – kein Bock auf Krieg und Wehrpflicht“
  • Am 3. Oktober wird es auch dieses Jahr wieder zeitgleich in Berlin und Stuttgart eine bundesweite Friedensdemonstration geben. Das Motto lautet: „Nein zu Hochrüstung, Wehrpflicht und Krieg! Für Frieden, demokratische Rechte und soziale Sicherheit“. Beginn ist jeweils um 13 Uhr, in Berlin am Brandenburger Tor, in Stuttgart am Schlossplatz. Schon jetzt rufen 270 Friedensinitiativen und Organisationen dazu auf, sich zu beteiligen. Paul Schobel wird u. a. wieder als Redner dabei sein. Margot Käßmann wird mit einem Video-Grußwort vertreten sein. Die Flyer mit dem Text des Aufrufs liegen in der Mitte zum Mitnehmen und weiter Verteilen aus.
    Wer aus Schorndorf gemeinsam nach Stuttgart fahren möchte, trifft sich um 11.30 Uhr am Bahnhof Schorndorf zur Fahrt mit der S-Bahn um 11.48 Uhr nach Stuttgart Stadtmitte. Eine Fahrt mit dem MEX um 12.14 Uhr würde normalerweise auch reichen, aber man weiß ja nie…
  • Wer sich morgen an der Banneraktion beteiligen kann, möge sich bitte im Anschluss bei mir melden.
  • Unsere nächste Mahnwache ist heute in einer Woche, am Freitag den 02.10.26 um 18.00 Uhr wieder hier auf dem Marktplatz.
  • Jetzt ist noch Zeit zum Austausch, und kommen Sie dann gut nach Hause.

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